Pressemeldung

Die Neuvermessung der Onkologie

Beim Berliner Symposium zur Zukunft der Onkologie in Deutschland fordern Experten mehr Investitionen in die Krebsforschung.

Am 22. Juni 2018 fand im Berliner Radisson Blu Hotel das Symposium „Innovations in Oncology“ statt. Unter dem Motto „Die Neuvermessung der Onkologie“ trafen sich führende Mediziner und Gesundheitsexperten Deutschlands, um die Themen Prävention und Aufklärung, Qualität in der Früherkennung und Diagnostik, individualisierte Therapien, Big Data Konzepte sowie die Finanzierbarkeit der Krebsmedizin zu diskutieren. 

Die Krebsmedizin hat sich in den zurückliegenden Jahren grundlegend geändert. Unspezifische, organbezogene, standardisierte Chemotherapien werden durch individualisierte, auf hochpräziser, personalisierter Diagnostik beruhende innovative Therapiekonzepte ersetzt. So wird beispielsweise die Therapie eines Tumors häufig nicht mehr an dessen Lokalisation ausgerichtet, sondern nach den vorliegenden Genmutationen im jeweils individuellen Fall beurteilt.

Mehr Investitionen in die Krebstherapie notwendig

“In der öffentlichen Diskussion zur Onkologie in Deutschland geht es bedauerlicherweise zu häufig um Kosten, die durch neue Medikamente oder die Umsetzung des Fortschritts in die Versorgung entstehen. Der Fortschritt selbst wird im Verhältnis dazu nur wenig thematisiert“, so Prof. Dr. von Kalle, Tagungsleiter des Symposiums und Chef der Abteilung Translationale Onkologie am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg. Die Zahl der Krebserkrankungen nimmt in Deutschland weiterhin zu: Durch einen Anstieg in der Lebenserwartung und verbesserte Medizin wird Krebs zukünftig für über 40 Prozent der Todesursachen verantwortlich sein. Die Diskussion zum Thema Kosten relativiert sich jedoch schnell, wenn man die tatsächlichen Ausgaben für die Onkologie im Verhältnis zu den Gesamtausgaben im deutschen Gesundheitssystem betrachtet. So liegen diese relativ konstant bei ca. 6 Prozent – von Kalle fordert daher mehr Investitionen für die Krebsforschung, um den Kampf gegen diese Todesursache in Deutschland zu gewinnen.

Steigende Zahl Darmkrebs-Betroffener unter 50 Jahren

Auf die Lücken im Bereich der Krebsvorsorge, insbesondere der Darmkrebsvorsorge unter 50 Jahren, machte auch Dr. Christa Maar aufmerksam. Maar, die sich als Vorstand der Felix Burda Stiftung und als Präsidentin des Netzwerk gegen Darmkrebs e.V. für die Prävention von Darmkrebs einsetzt, wies in diesem Zusammenhang auf die steigenden Zahlen von Darmkrebs-Betroffenen unter 50 Jahren hin. Als mögliche Erklärungsursache führte sie den Mangel an vorbeugenden Maßnahmen an, mit denen junge Menschen vor dem Schicksal Darmkrebs bewahrt werden könnten. “Ich wünsche mir daher mehr Anstrengungen von Politik, Gesundheitswesen und Forschung, um junge Menschen, insbesondere jene mit einem familiären Risiko, vor diesem Krebs zu schützen.“

Informationen zur Veranstaltung: Das 4. Interdisziplinäre Symposium „Innovations in Oncology“ fand am 22. Juni 2018 statt. Veranstalter waren das Netzwerk gegen Darmkrebs e.V. gemeinsam mit dem DKFZ, dem NCT Heidelberg, der Charité – Universitätsmedizin Berlin und den folgenden Organisationen: Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO), Deutsche Krebsgesellschaft e.V., Felix Burda Stiftung, Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland – BNHO e.V. und der BILD-Zeitung.

Zu den Referenten gehörten: Prof. Dr. Diana Lüftner – Charité Berlin, Prof. Dr. Christof von Kalle – NCT Heidelberg, Dr. Christa Maar – Netzwerk gegen Darmkrebs/ Felix Burda Stifung, Dr. Georg Ralle – Netzwerk gegen Darmkrebs, Prof. Dr. Bernhard Wörmann – Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, Dr. Johannes Bruns – Deutsche Krebsgesellschaft, Prof. Magnus von Knebel Doeberitz – Universität Heidelberg, Dr. Esther Toes-Zoutendijk – Universität Rotterdam, Prof. Dr. Dirk Haller – TU München/Weihenstephan, Prof. Dr. Ulrich Keilholz – Charité Berlin, Prof. Dr. Evelin Schröck – TU Dresden, Prof. Dr. Klaus Pantel – UKE Hamburg, Prof. Dr. Carsten Denkert – Charité Berlin, Prof. Dr. Heinz-Peter Schlemmer – Deutsches Krebsforschungszentrum, Prof. Dr. Lars Bullinger – Charité Berlin, Prof. Dr. Justus Duyster – Universitätsklinik Freiburg, Prof. Dr. Michael Hallek – Universitätsklinikum Köln, Prof. Dr. Jürgen Wolf – Universitätsklinikum Köln, Prof. Dr. Dirk Jäger – NCT Heidelberg, Prof. Dr. Frank Kolligs – Helios-Klinik Berlin-Buch, Prof. Dr. Lena Maier-Hein – DKFZ, Prof. Dr. Peter A. Fasching – Universitätsklinikum Erlangen, Tanya Thouw – SAP, Dr. Ewelina Türk – Ada Health, Jan Geissler – Patvocates GmbH, Dr. Mani Rafii – BARMER, Sascha Lobo – Autor, Prof. Dr. Hagen Pfundner – Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V., PD Dr. Thomas Illmer – Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland e.V..