Aktuelles, Interview

FARKOR – Ein bayerisches Modellprojekt – attraktiv für Patienten und Ärzte

 

 

 
Dr. Pedro Schmelz, 1. stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der KVB

(c) Kassenärztliche Vereinigung Bayerns

Darmkrebs, oder in der Fachsprache kolorektales Karzinom, ist sowohl bei Frauen als auch bei Männern die zweithäufigste bösartige Krebserkrankung und auch die zweithäufigste Krebstodesursache in Deutschland. Immer mehr jüngere Menschen erkranken an Darmkrebs. Im bayerischen Modellprojekt FARKOR, das vom Innovationsfonds gefördert wird, sollen Menschen mit einem familiär erhöhten Darmkrebsrisiko in Bayern bereits früh – im Alter von 25 bis 50 Jahren – identifiziert werden. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml hat im erwähnten Projekt die Rolle der Schirmherrschaft übernommen. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) ist für die Konsortialführung zuständig, womit organisatorische Aufgaben, wie das Projekt- und Finanzmanagement und die Koordination bei den Vertragsarbeiten, verbunden sind. Darüber hinaus ist die KVB ebenfalls für die Bereitstellung der erforderlichen Abrechnungs- und Servicestrukturen verantwortlich. Als Konsortialpartner sind, neben der Felix Burda Stiftung als Initiator des Projekts, die AOK Bayern, der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) (Techniker Krankenkasse, BARMER, DAK-Gesundheit), der BKK Landesverband Bayern, die KNAPPSCHAFT sowie das Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie (IBE) der Ludwig-Maximilians-Universität München beteiligt. Das Netzwerk gegen Darmkrebs e.V., die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS), die Deutsche Gesellschaft für Humangenetik (GfH), die Deutsche Gesellschaft für Pathologie (dgp) und die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) unterstützen das Projekt als Kooperationspartner.

Das Netzwerk gegen Darmkrebs e. V. hat Herrn Dr. Pedro Schmelz, den ersten stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstandes der KVB, zu FARKOR befragt.

Netzwerk gegen Darmkrebs:

Warum ist es relevant, dass sich möglichst viele niedergelassene Ärzte an dem Innovationsfondsprojekt FARKOR beteiligen?

Dr. Pedro Schmelz:

Die Durchführung des umfangreichen Projekts FARKOR, für das eine große Anzahl an Konsortial- und Kooperationspartnern gewonnen werden konnte, wird von wissenschaftlicher Evaluation begleitet. Diese wurde als Vorgabe an die Fördersumme von rund 11 Mio. Euro aus dem Innovationsfonds geknüpft, um den systematischen Nutzen dieser neuen Versorgungsform zu ermitteln. Im Projekt FARKOR soll untersucht werden, ob die Sterblichkeit von Darmkrebs bei den unter 50jährigen gesenkt werden kann. Somit soll dieses Modellvorhaben auch zeigen, dass Prävention die beste Investition in die Zukunft ist. Die Evaluation wird jedoch nur repräsentativ und damit aussagekräftig sein, wenn eine maßgebliche Anzahl an niedergelassenen Haus- und Fachärzten an dem Projekt mitwirkt.

NgD:

Inwieweit sehen Sie bei FARKOR eine lohnenswerte Teilnahme für die Ärzte?

Schmelz:

Es lohnt sich immer, an einem solchen Projekt teilzunehmen, um Gesundheit zu erhalten, wiederherzustellen und Leben zu retten. Das ist unsere Profession. Die Vertragsleistungen bei FARKOR werden bereits von meinen Kolleginnen und Kollegen in den Praxen erbracht und sind in diesem Sinne erst einmal keine Neuheit. Um den Mehraufwand zu honorieren, der durch das Projekt entsteht, werden die Leistungen aus dem Innovationsfonds extrabudgetär, also außerhalb des EBM vergütet. Darüber hinaus haben sich beinahe alle Kostenträger dazu entschieden, an FARKOR mitzuwirken, wodurch die Leistungen vielen Versicherten offen stehen.

NgD:

Zu welchem Zeitpunkt gelten die ärztlichen Leistungen und ab wann können sich die Mitglieder der KVB einschreiben?

Schmelz:

Die ärztlichen Leistungen gelten ab dem 1. Oktober 2018 bis einschließlich 31. März 2020. Vor dem Startzeitpunkt werden die Mitglieder der KVB frühzeitig durch Serviceschreiben und weitere bekannte KVB-Medien intensiv über den Einschreibungszeitpunkt, den Ärzteteilnehmerkreis, die Teilnahmevoraussetzungen, über den Versichertenkreis und den Leistungspfad informiert. Zum offiziellen Start bietet die KVB außerdem auf CuraCampus Fortbildungen zu den Themen familiäres Darmkrebsrisiko und zur vertieften Familienanamnese an, die je nach angebotenem Leistungspaket und Fachgruppe Voraussetzung zur Vertragsteilnahme sind. Nach erfolgreicher Einschreibung erhalten die Mitglieder der KVB ein Starter Kit mit Flyern zur Mitnahme für interessierte Patienten, Aufstellern für die Flyer sowie ein Poster als Aushang in der Praxis. Über eine hohe Teilnahmebereitschaft der niedergelassenen Ärzte würden wir uns freuen, um dem wissenschaftlichen Aspekt des Vorhabens gerecht zu werden.

NgD:

Ihrer Aussage zufolge wird ein großer Teilnehmerkreis angeschrieben. Welche Ärzte sind denn teilnahmeberechtigt?

Schmelz:
Grundsätzlich können sich alle im Bundesland Bayern niedergelassenen Vertragsärzte an dem Vertrag beteiligen, die in ihrer Praxis mit Krebsvorsorge zu tun haben. Dies trifft auf folgende Mitglieder der KVB zu:

  • hausärztlich tätige Ärzte
  • hausärztlich sowie fachärztlich tätige Internisten
  • Gynäkologen
  • Urologen
  • Gastroenterologen
  • Hämatologen/ Onkologen
  • Humangenetiker
  • Laborärzte
  • Pathologen
  • Dermatologen
  • Ärzte mit der Genehmigung zur Erbringung bestimmter EBM-Leistungen (01737, 01738, 01741, 01742, 01743)

Damit alle relevanten Fachgruppen die für sie erforderlichen Informationen jederzeit verfügbar haben, werden wir zu FARKOR weitere Dokumente und Informationen auf unserer Homepage veröffentlichen.

NgD:

Welche Leistungen können die Vertragsteilnehmer ab 1. Oktober 2018 abrechnen?

Schmelz:

Die Leistungen sind in sechs verschiedenen Leistungspaketen zusammengefasst. Der Versicherte kann nach dem Shared Decision Making – Ansatz zwischen unterschiedlichen Vorgehensweisen wählen. Zu Beginn steht die Beratung und Einschreibung des Versicherten. Im Fall einer positiven einfachen Familienanamnese kann der Patient eine vertiefte Familienanamnese durchführen lassen sowie an einer leitliniengerechten Versorgung teilnehmen. Diese beinhaltet unter anderem die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Früherkennungskoloskopie oder alternativ an einem iFOBT, einschließlich daraus resultierender Folgemaßnahmen, wie zum Beispiel einer Koloskopie nach positivem iFOBT.

NgD:

Wie erfahren die Versicherten von dem Projekt und wie können betroffene Versicherte die eben erwähnten Leistungen in Anspruch nehmen?

Schmelz:

Die teilnehmenden Ärzte können in ihren Arztpraxen aktiv auf FARKOR aufmerksam machen, indem sie Informationsmaterialien aushändigen und ihre Patienten beraten. Zusätzlich werden die in den letzten 1 ½ Jahren an Darmkrebs erkrankten Indexpatienten ab 18 Jahren direkt von ihrer Krankenkasse angeschrieben, um deren Familienangehörige als Risikogruppe zu erreichen. Darüber hinaus besteht für die Versicherten die Möglichkeit zur Selbstdetektion mittels Risikorechner auf einer eigens eingerichteten Online-Plattform. Das Projekt wird außerdem durch umfangreiche Marketing- und PR-Maßnahmen begleitet. Für die Teilnahme des Versicherten ist es relevant, dass er bei einer der teilnehmenden Krankenkassen versichert ist und dass er von einem Vertragsarzt eingeschrieben wird. Ohne eine solche Einschreibung des Versicherten können keine Leistungen in Anspruch genommen werden.

NgD:

Welches Ziel ist im Rahmen von FARKOR festgelegt worden?

Schmelz:

Das primäre Ziel ist es, den Nutzen der Darmkrebsfrüherkennung bei der genannten Zielgruppe zu ermitteln und die Leistungen im Falle einer positiven Bewertung für die 25- bis 50-Jährigen in die Regelversorgung zu übernehmen.

 

Herr Dr. Schmelz, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Herr Dr. Georg Ralle, Generalsekretär des Netzwerks gegen Darmkrebs e.V., und Frau Alina Baumgartner, Fachreferentin des Referats Versorgungskonzepte & Zusatzverträge der KVB

 

FARKOR – in wenigen Schritten zur Teilnahme:

Im Rahmen des neuen Selektivvertrages zum Thema FARKOR wird ab dem 1. Oktober 2018 bis einschließlich 31. März 2020 erstmals die Darmkrebsvorsorge bei Versicherten im Alter von 25 bis 50 Jahren extrabudgetär vergütet. Um den Nutzen dieser Maßnahmen zu ermitteln, ist es ein primäres Ziel, eine Vertragsevaluation durchzuführen. Zur Gewinnung von repräsentativen Ergebnissen, ob die Sterblichkeit von Darmkrebs bei den unter 50jährigen gesenkt werden kann, werden möglichst viele Vertragsärzte als Teilnehmer benötigt. Alle notwendigen Informationen erhalten teilnahmeberechtigte Ärzte rechtzeitig durch ein Serviceschreiben sowie über bekannte Medien der KVB. Für interessierte Haus- und Fachärzte ist eine Teilnahme in folgenden Schritten möglich:

  1. Mit den geplanten Serviceanschreiben durch die KVB erhalten Sie alle notwendigen Informationen zum Projekt und zu den ärztlichen Leistungen.
  2. Die KVB bietet über ihre hauseigene Lernplattform CuraCampus Fortbildungen zu den Themen familiäres Darmkrebsrisiko und zur vertieften Familienanamnese an, die je nach angebotenem Leistungspaket und Fachgruppe Voraussetzung zur Vertragsteilnahme sind.
  3. Reichen Sie die auf der KVB-Homepage eingestellte Teilnahmeerklärung bei der KVB ein.
  4. Nach erfolgreicher Einschreibung wird Ihnen ein Starter Kit mit Praxis-Plakaten und weiteren Informationsmaterialien für Ihre Patienten zugesandt.
  5. Einer Durchführung der ärztlichen Leistungen einschließlich der Dokumentation für die wissenschaftliche Evaluation steht somit nichts mehr im Wege.