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Neues Einladungsverfahren: Eckpunkte des organisierten Darmkrebsscreenings

Mit der Richtlinie für organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme beschloss der G-BA am 19. Juli 2018 ein organisiertes Darmkrebsscreening. Was bedeutet dies und was ändert sich gegenüber der bisherigen Darmkrebsvorsorge?

Bisher hatte jeder gesetzlich Versicherte ab 50 Jahren jährlich Anspruch auf einen Stuhltest zur Darmkrebsvorsorge und ab 55 Jahren Anspruch auf zwei Darmspiegelungen (Koloskopien) im Abstand von 10 Jahren, wozu er/sie jedoch nicht explizit von der Krankenkasse eingeladen wurde.

Dies ändert sich nun. Denn neu ist, dass anspruchsberechtigte Versicherte fortan regelmäßig eine Einladung zur Darmkrebs-Früherkennung erhalten. Zudem wurde das Alter von Männern, mit dem sie zur Vorsorgekoloskopie gehen dürfen, auf 50 Jahre herabgesetzt.

Konkret umfassen die Änderungen folgende Punkte:

  • Männer und Frauen erhalten mit Erreichen des 50zigsten Lebensjahres eine Einladung zum organisierten Darmkrebsscreening. Weitere Einladungen folgen mit Beginn des 55sten,

60sten und 65sten Lebensjahres. Als Einladungsstichtag ist der erste Tag nach Ablauf des Quartals, mit dem Anspruchsberechtigte das Alter von 50, 55, 60 oder 65 Jahren erreicht haben, festgelegt.

  • Dem Einladungsschreiben ist eine Versicherteninformation beigefügt, die über Nutzen, Risiken und Ablauf der jeweiligen Früherkennungsuntersuchung informiert.
  • Im Alter von 50 bis 54 Jahren haben Frauen und Männer weiterhin jährlich die Möglichkeit einen immunologischen Stuhltest (iFOBT) zu machen, welcher einen Hinweis auf Blutspuren im Stuhl geben kann.
  • Aufgrund ihres erhöhten Risikos an Darmkrebs zu erkranken, dürfen Männer fortan bereits ab 50 Jahren eine Vorsorgekoloskopie in Anspruch nehmen. Sie haben dann Anspruch auf zwei Darmspiegelungen im Mindestabstand von zehn Jahren. Wird das Früherkennungsangebot erst ab dem Alter von 65 Jahren wahrgenommen, besteht Anspruch auf eine Früherkennungskoloskopie.
  • Für Frauen gilt weiterhin, dass sie ab einem Alter von 55 Jahren Anspruch auf zwei Darmspiegelungen haben. Nutzen sie das Angebot erst ab 65 Jahren, verringert sich der Anspruch auch hier auf eine Früherkennungskoloskopie.
  • Wird weder von einer Frau, noch von einem Mann eine Früherkennungskoloskopie in Anspruch genommen, haben sowohl Frauen als auch Männer, alle zwei Jahre die Möglichkeit eine immunologischen Test (iFOBT) auf Blut im Stuhl durchzuführen.
  • Liefern die durchgeführten Stuhltests auffällige Ergebnisse, hat jeder Versicherte ab 50 Jahren die Möglichkeit eine sogenannte Abklärungskoloskopie durchführen zu lassen.

Das Netzwerk gegen Darmkrebs hat sich seit 2008 für die Einführung eines Einladungsverfahrens zur Darmkrebsvorsorge stark gemacht. Auf vom Netzwerk gegen Darmkrebs initiierten Expertenworkshops in den Jahren 2015 und 2017 diskutierten Medizinischen Fachgesellschaften und Berufsverbände über die Ausgestaltung eines organisierten Darmkrebsscreenings.

Christa Maar – die Präsidentin des Netzwerk gegen Darmkrebs über das Einladungsverfahren:

„Ich bin froh, dass das Einladungsverfahren nach langer Vorbereitungszeit endlich gestartet ist und  dass alle gesetzlich Versicherten  jetzt ab dem Alter von 50 Jahren regelmäßig persönlich zum Darmkrebs Screening eingeladen werden.  Es ist allerdings bedauerlich, dass die Organisatoren  bei der Ausgestaltung des Einladungsverfahrens keine  Rücksicht auf die Tatsache genommen haben, dass Darmkrebsvorsorge  bei vielen Menschen ein mit Unlust- und Angstgefühlen besetztes Thema und die Teilnahme am Darmkrebs Screening  deshalb kein Selbstläufer ist.  Man würde  mit Sicherheit  mehr Menschen zur Teilnahme am Screening motivieren, wenn dieses  mit weniger Aufwand verbunden und der Stuhltest dem Einladungsschreiben beigefügt wäre, statt dass man gezwungen ist, sich den Test beim Hausarzt abzuholen und nach Inanspruchnahme auch wieder dorthin zu bringen.“