15 Jahre Jubiläum | Aktuelles

“Kampf dem Darmkrebs bei jungen Erwachsenen“ – Für das Netzwerk gegen Darmkrebs e.V. bleibt viel zu tun

Das Netzwerk gegen Darmkrebs e.V. feiert sein 15-jähriges Bestehen.
Die Präsidentin, Frau Dr. Christa Maar, erläutert, wofür sich der Verein in den kommenden Jahren einsetzen will

Frau Dr. Maar, wo steht das Netzwerk gegen Darmkrebs heute, 15 Jahre nach seiner Gründung?

Dr. Maar: Das Netzwerk ist ja aus dem Bemühen der Felix Burda Stiftung entstanden, all jene zu vernetzen, die bei Prävention, Diagnostik und Therapie des Darmkrebs‘ eine wichtige Rolle spielen. Das ist uns, glaube ich, gut gelungen, insbesondere mit der Symposiumsreihe ‚Innovations in Oncology‘, die dieses Jahr zum fünften Mal stattfindet. Darüber hinaus wollten wir natürlich auch immer Themen auf die Agenda bringen, bei denen wir in der Versorgung erhebliche Defizite sehen. Wo immer es möglich war, haben wir uns für konkrete Verbesserungen in der Darmkrebsvorsorge eingesetzt, und haben – um ein Beispiel zu nennen – durch unsere konstanten Bemühungen, Darmkrebsvorsorge zum festen Bestandteil der betrieblichen Gesundheitsfürsorge zu machen, viel erreicht. Ein weiteres Ziel war die Einführung des Einladungsverfahrens für das Screening der über 50-Jährigen. Seit Juli 2019 ist dies nun auch umgesetzt. Man kann sicher sagen: Das Netzwerk gegen Darmkrebs ist  in der onkologischen Landschaft heute gut positioniert.

Mit welchen Themen werden Sie sich in den kommenden Jahren auseinandersetzen?

Dr. Maar: Die betriebliche Darmkrebsvorsorge werden wir nicht weiter forcieren, denn praktisch alle großen Unternehmen haben sie in ihr Gesundheitsmanagement integriert. Wir stehen interessierten Betrieben aber selbstverständlich weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung. Was das Einladungsverfahren anbelangt, so ist das vom Gemeinsamen Bundesausschuss  entwickelte Umsetzungskonzept leider suboptimal. Die Versicherten werden aufgefordert, sich den immunologischen Stuhltest beim Arzt abzuholen und ihn nach Durchführung auch wieder dorthin zu bringen. Das ist ein ziemlicher Zeitaufwand, der einer hohen Teilnahmerate entgegensteht. Anhand der Testphase seit April 2018 zeigt sich, dass die Teilnahmerate gerade einmal bei 20 Prozent liegt. Das ist viel zu wenig, um die nach wie vor hohe Inzidenz und Sterblichkeit von Darmkrebs in absehbarer Zeit deutlich abzusenken. Unser Hauptaugenmerk wird in nächster Zeit aber dem Darmkrebs bei jungen Erwachsenen gelten.

Aus welchem Grund?

Dr. Maar: Während die Inzidenz bei den über 50-Jährigen seit Jahren zurückgeht, steigt sie bei den unter 50-Jährigen kontinuierlich an – am stärksten in der Gruppe der 20- bis 35-Jährigen. Wir wissen nicht, warum dies so ist. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen lässt sich als Ursache ein familiäres Risiko annehmen. Durch eine leitliniengerechte Vorsorge, die unter Umständen bereits ab dem Alter von 25 Jahren angeboten werden müsste, ließe sich bei ihnen Darmkrebs vermeiden. Doch darauf haben die Betroffenen keinen Anspruch. Die gültige Krebsfrüherkennungsrichtlinie kennt keinen Darmkrebs unter 50. Dagegen wollen und müssen wir etwas tun! Mit dem bayerischen Modellprojekt FARKOR, das das Netzwerk gegen Darmkrebs als Kooperationspartner mit initiiert hat, gibt es erstmals ein Konzept, um Menschen mit familiär erhöhten Darmkrebsrisiko früh zu identifizieren und ihnen risikoadaptierte Vorsorgemaßnahmen anzubieten. Wir hoffen, dass das FARKOR- Maßnahmenpaket einmal in die Regelversorgung übernommen wird.

Dr. Christa Maar ist Präsidentin des Netzwerk gegen Darmkrebs e.V. und Vorstand der Felix Burda Stiftung.

Das Interview führte Günter Löffelmann.
Erstveröffentlichung in der Medical Tribune im Juli 2019