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Das Netzwerk gegen Darmkrebs: Der Think Tank für die Prävention

Im Jahr 2001 verstarb Felix Burda im Alter von 33 Jahren an Darmkrebs. Er hinterließ eine junge Familie und das Vermächtnis an seine Eltern Christa Maar und Hubert Burda, eine Stiftung zu gründen, die sich für die Prävention von Darmkrebs einsetzt.

Noch im gleichen Jahr wurde mit Unterstützung zahlreicher Medizinexperten die Felix Burda Stiftung gegründet. Erklärtes Ziel der Stiftung war von Anfang an – und ist es bis heute geblieben-, dass die Bevölkerung über Darmkrebsvorsorge aufgeklärt wird und die Zielgruppen zur Teilnahme an der Untersuchung motiviert werden. Dies sollte durch Vernetzung der beteiligten Organisationen und Institutionen des Gesundheitswesens und durch innovative PR- und Medienarbeit unterstützt werden.

Zur Erweiterung ihres Aktionsradius etablierte die Felix Burda Stiftung im Jahr 2004 den gemeinnützigen Verein „Netzwerk gegen Darmkrebs“. Der Verein versteht sich als Think Tank von Kompetenz- und Entscheidungsträgern aus Medizin und  Wissenschaft, Politik und Institutionen des Gesundheitswesens.

Die Arbeit des Vereins wird von dem Gedanken geleitet, dass Darmkrebs eine Erkrankungen ist, die sich durch Vorsorge verhindern lässt, und dass zur Reduktion der hohen Inzidenz  und Sterblichkeit das vorhandene Vorsorgeprogramm unter Einbeziehung neuer Erkenntnisse aus der Forschung weiterentwickelt umgesetzt werden muss.

In Zukunft wird es insbesondere darum gehen, Erkenntnisse aus der Molekularbiologie für die Entwicklung von Modellen zur individuellen Risikoprädiktion und risikoadaptierten Vorsorge von Darmkrebs zu nutzen.

Durch seine fokussierte Arbeit, die von Wissenschaftlern, Klinikern und anderen Experten des Gesundheitswesens unterstützt wird, hat das Netzwerk gegen Darmkrebs in den zurückliegenden Jahren wesentlich dazu beigetragen, die Diskussion um die Verbesserung und Weiterentwicklung der Darmkrebsvorsorge voranzubringen.

Ein großer Schritt in die richtige Richtung war die 2002 eingeführte gesetzliche Vorsorgekoloskopie, an der bis heute mehr als 7 Millionen Versicherte teilgenommen haben. Auf Basis einer vom Deutschen Krebsforschungszentrum erstellten Modellrechnung  kommt man zum Ergebnis, dass dadurch bereits 270.000 Neuerkrankungen und 130.000 Todesfälle von Darmkrebs vermieden wurden. Den Erfolg der Vorsorgekoloskopie belegt auch der konstante Rückgang der Inzidenz- und Sterblichkeitsrate von Darmkrebs in den zurückliegenden Jahren.

Trotz solcher positiven Entwicklungen sind wir von unseren bei Gründung des Vereins Netzwerk gegen Darmkrebs anvisierten Zielen noch weit entfernt.  Denn nach wie vor sterben jedes Jahr mehr als 25.000 unserer Mitbürger an einem Darmtumor, der zu spät erkannt wurde. Das entspricht der Gesamtbevölkerung einer mittleren Kleinstadt.  Und ist ein unhaltbarer Zustand. Für das Netzwerk gegen Darmkrebs bedeutet es, dass wir uns auch weiterhin intensiv für die Verbesserung der Darmkrebsvorsorge einsetzen und dabei vor allem auch alle neuen Erkenntnisse und Entwicklungen der internationalen Forschung berücksichtigen werden.

Dabei wird es insbesondere um folgende Themen gehen:

Verbesserung des Einladungsverfahrens zur Darmkrebsvorsorge:

Mit Jahre langer Verspätung wurde im Juli 2019 ein sogenanntes Einladungsverfahren für Darmkrebs eingeführt. Kern ist, dass anspruchsberechtigten Versicherten eine Einladung zur Vorsorge an ihre Privatadresse  zugeschickt wird. Sie können sich zwischen einer Vorsorgekoloskopie und der Durchführung eines immunologischen Stuhltests entscheiden. Das Procedere für den Test ist mit der Aufforderung, den immunologischen Stuhltest beim Arzt abholen und ihn nach Inanspruchnahme auch wieder dorthin bringen zu müssen, sehr zeitaufwändig geraten. Es ist davon auszugehen, dass sich das negativ auf die die Teilnahmerate auswirken wird.

Das Netzwerk wird sich für die Nachbesserung des Programms durch die Einführung niederschwelliger Zugangswege einsetzen. Hier kann das niederländische Programm als Ideengeber fungieren, bei dem durch Zusendung des Stuhltests an die Privatadresse eine Teilnahmequote von 70 Prozent erreicht wird.

Risikoadaptierte Vorsorge für Menschen mit familiärem Risiko:

Eine Darmkrebserkrankung in der Familie bedeutet für alle nahen Verwandten, dass sie ein erhöhtes Risiko für diese Tumorerkrankung haben. Bei erblichen oder familiären Formen von Darmkrebs entsteht Darmkrebs bei engen Familienmitgliedern von erkrankten Personen oft schon im jungen Erwachsenenalter. Da auch für sie gilt, dass das Entstehen von Darmtumoren sich durch Vorsorge verhindern lässt, sollte alles daran gesetzt werden, ein vorhandenes familiäres Risiko möglichst früh zu erkennen und entsprechende Vorsorgemaßnahmen anzubieten. Dies geschieht am einfachsten durch die regelhaft erhobene  Familienanamnese im jungen Erwachsenenalter. Bei Verdacht auf Vorliegen eines erblichen Risikos sollte die Vorsorge entsprechend internationaler Leitlinien bereits im Alter von 25 Jahren beginnen. Ein zentrales Anliegen des Netzwerks ist es, dafür zu sorgen, dass für  besondere Risikogruppen risikoangepasste Vorsorgemaßnahmen angeboten werden und dass diese vor allem auch von den Krankenkassen vergütet werden.

Weiterentwicklung der Darmkrebsvorsorge durch die Einbeziehung innovativer Verfahren:

Das Forschungsfeld ist in Bewegung. In den nächsten Jahren werden innovative Tests (z. B. Blut- und Atemtests) auf den Markt kommen, die von annähernd gleicher Empfindlichkeit sind wie der immunologische Stuhltest, von den Versicherten aber besser akzeptiert werden. Das Netzwerk gegen Darmkrebs wird sich dafür einsetzen, dass potente neue Testverfahren zeitnah evaluiert und eingesetzt werden.