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Vision Zero 2020: Konkrete Forderungen für eine Welt ohne Krebs

München, 22. Oktober 2020. Am Dienstag fand das interdisziplinare Symposium Vision Zero. Die Neuvermessung der Onkologie in Berlin statt.

Das Symposium der Veranstaltungsreihe „Innovations in Oncology“ wurde in diesem Jahr als ausschlieslich digitales Event durchgefuhrt. Über

Livestream diskutierten Experten aus Forschung, Medizin, Politik und Industrie mehr als neun Stunden daruber, wie die Vision einer Welt ohne Krebs Realitat werden kann.

Um dem Ziel einer Welt ohne Krebs näher zu kommen, braucht es einen Mix aus Prävention, intelligentem Datenmanagement, Kreativitat, Flexibilitat und die verstärkte Einbindung von Patienten, so das Ergebnis des Symposiums.

Das Motto lautete in diesem Jahr „Die Zeit ist reif zum Handeln“. Wie reif die Zeit dafür ist, zeigte der Veranstalter, das Netzwerk gegen Darmkrebs e.V., unter anderem dadurch, dass es das Symposium nicht aufgrund der verschärften Corona Bedingungen absagte, sondern es als rein digitales Event möglich machte. So diskutierten Experten aus Deutschland, den Niederlanden und Israel für mehr als neun Stunden via Livestream darüber, welche Schritte in Bezug auf Darmkrebs, Lungenkrebs, Brustkrebs sowie gesundheitspolitisch notwendig sind, um der Vision, einer Welt ohne Krebs, näher zu kommen.

In seiner Videobotschaft an die TeilnehmerInnen des Symposiums wies Gesundheitsminister Jens Spahn darauf hin, dass sich die Nutzung von Krebsdaten in Deutschland verbessern wird, indem Daten aus den

Krebsregistern nicht nur fur Forschungszwecke künftig zur Verfügung stehen sollen, sondern auch der Datenaustausch zwischen den Kliniken

ermöglicht werden soll. Damit Kliniken künftig voneinander lernen können. Doch auch die Bedeutung der gemeinsamen Nutzung von medizinischen Daten auf EU-Ebene hob er hervor. Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, wies auf die Nationale Dekade gegen Krebs und im Zuge dessen auf die Bedeutung der Krebsprävention hin. Mit einer – im Rahmen der Arbeitsgruppe Prävention – kürzlich ausgeschriebenen Forschungsförderung sollen Studien im Bereich Darmkrebs bei jungen Menschen gefordert und langfristig wirksame Masnahmen zur Prävention von Darmkrebs entwickelt werden. Daran knüpfte auch Dr. Maar, Präsidentin des Netzwerk gegen Darmkrebs und Ko-Vorsitzende jener Arbeitsgruppe, in ihrer Videobotschaft an. Sie berichtete, dass sich die Arbeitsgruppe darüber hinaus auch auf die Entwicklung risikoadaptierter Früherkennungskonzepte

für Krebserkrankungen mit hoher Fallzahl konzentriert, welche neben Darmkrebs auch Brust-, Prostata und Lungenkrebs sind, um so Krebs in Zukunft gezielt zu vermeiden. „Die Zeit ist reif, um innovative Forschungsergebnisse in der Krebsprävention zur Anwendung zu bringen und masgeschneiderte Präventionskonzepte zu entwickeln“, so Dr. Christa Maar wörtlich.

Prof. Dr. Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrates, deutete auf den Einfluss soziookonomischer Faktoren bei einer Krebserkrankung hin. Sie forderte, dass Präventionsangebote so gestaltet

sein müssten, dass Krebsprävention unabhängig des gesellschaftlichen Hintergrunds möglich sei. Prof. Dr. Andrew Ullmann, Mitglied des Deutschen Bundestages, stellte die Bedeutung der Bildung heraus, welche ein wichtiger Faktor zur Erlangung von Gesundheitskompetenz sei. Zudem forderte er die Kreativitat und die Erkenntnisse aus der COVID-19 Pandemie für die Entwicklung von Strategien im Kampf gegen Krebs zu nutzen.

Professor Dr. Eran Elinav vom Weiszmann Institute of Science, einer der weltweit führenden Mikrobiom Spezialisten aus Israel, präsentierte seine Erkenntnisse in der Nutzung des individuellen Mikrobioms eines Menschen

für die Therapie von Krebs.

Ein am Vortag des Symposiums stattfindender Patientenworkshop diskutierte die Frage, wie eine stärkere Einbindung von Patienten in der onkologischen Versorgung gelingen kann. Dabei kam die Forderung nach

einer Dekade der Digitalisierung auf, um die Strukturen für ein höheres Patient Empowerment zu etablieren. Deutlich wurde, dass Patienten über ihre Daten selbst verfügen mochten. Auserdem forderten sie die

Möglichkeit Behandlungen sowohl ambulant als auch digital durchführen zu können und zudem eine stärkere Begleitung im Behandlungs- und Nachsorgeprozess. Doch auch der Wunsch nach einer offenen und nichthierarchischen,

sondern innovationsfordernden Kultur in deutschen Kliniken wurde formuliert.

Ausgezeichnete Präventionsforschung

Der Vision Zero Präventionsaward ging in diesem Jahr an Prof. Dr. Haug vom Leibniz-Institut fur Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS, der ihr von Prof. Dr. Heyo Kroemer – Vorstandsvorsitzender der Charite –

Universitätsmedizin Berlin und Julian Reichelt, Vorsitzender der Chefredaktion und Chefredakteur der Bild Zeitung, überreicht wurde. Ausgezeichnet wurde sie für ihre Forschung im Bereich der Prävention und

Früherkennung von Krebs, insbesondere Darmkrebs. Die virtuelle Entgegennahme ihres Preises verband Prof. Haug mit der Forderung, Präventionsprojekte fur verschiedenste Lebenswelten zu etablieren und die

Präventionsforschung für junge Nachwuchswissenschaftler attraktiver zu machen.

Und was war die Take Home Message der Veranstaltung?

Daniel Bahr, Bundesgesundheitsminister a.D. und heutiges Vorstandsmitglied der Allianz Deutschland formulierte es so: Es lohnt sich in der Krebsprävention Inspiration aus anderen Ländern zu holen, in denen

mitunter bereits einige gute Präventionskonzepte bestehen. Darüber hinaus müsse die Nutzung medizinischen Datenpotentials ausgebaut und intensiviert sowie die Kreativitat bei der Bewaltigung der Covid-19

Pandemie auf die Krebsmedizin übertragen werden. Prof. Dr. Christof von Kalle – wissenschaftlicher Kongressleiter des Symposiums – sah seine

Take-Home Message in der Notwendigkeit Patienten verstärkt einzubinden und ein lernendes Gesundheitssystem zu etablieren.

Durch die Möglichkeit der digitalen Teilnahme am Symposium konnten in diesem Jahr wesentlich mehr Interessierte das Symposium verfolgen und sich von der Vision Zero uberzeugen lassen. Daher wird eine digitale

Übertragung auch für Vision Zero 2021 Bestand haben. Vision Zero 2021 wird vom 15.-16. Juni 2021 stattfinden.