Interview

Krebs in Zeiten der Corona-Pandemie: „Wir müssen unter Umständen mit einer Übersterblichkeit durch verschleppte Diagnosen und Therapien rechnen!“

11. Mai 2020
Wenn allerorten Kapazitäten für COVID-19-Patienten freigehalten werden, dann stellt sich fast automatisch die Frage, wie es um die Versorgung anderer Patienten bestellt ist, zum Beispiel jenen mit Krebserkrankungen. Professor Dr. Christof von Kalle, Chair für Klinisch-Translationale Wissenschaften und Direktor des Klinischen Studienzentrums am Berlin Institute of Health, sieht die Onkologie in Deutschland im Großen und Ganzen ausreichend gut gerüstet. Und so manches Versorgungsproblem lässt sich nicht auf die aktuelle Corona-Pandemie abwälzen. Herr Professor von Kalle, wir lesen anlässlich der Corona-Krise täglich über potenzielle Engpässe bei der intensivmedizinischen Betreuung von Patienten, von einem Mangel an Schutzausrüstungen und von Nachschubproblemen bei Arzneimitteln. Was bedeutet das für Krebspatienten? Christof von Kalle: Die Corona-Pandemie kann Krebspatienten theoretisch in zweierlei Weise tangieren: zum einen, indem sie sich selbst mit SARS-CoV-2 infizieren; zum anderen könnte es sein, dass es durch eine Welle von Corona-Patienten zu Engpässen…
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Vision-Zero:„Ambitionierte Ansprüche zu haben, ist extrem sinnvoll!“

14. April 2020
Moderne Krebsimmuntherapien haben in den vergangenen Jahren einen enormen Aufschwung erlebt. Zuletzt sorgte beispielsweise das CAR-T-Zell-Verfahren für Aufsehen. Dabei erhalten Patienten körpereigene T-Zellen, die zuvor mit einem Rezeptor für ein tumorspezifisches Antigen ausgestattet wurden [CAR: Chimärer Antigen-Rezeptor]. Seit 2018 sind in der Europäischen Union zwei CAR-T-Zelltherapien zugelassen. Zu den erfahrensten Anwendern in Deutschland gehört Professor Dr. Dr. Michael von Bergwelt. Er ist Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Münchner Uniklinikum Großhadern und beantwortet Fragen zur zellbasierten Immuntherapie und zur Vision-Zero. Netzwerk gegen Darmkrebs: Herr Professor von Bergwelt, wie beurteilen Sie den gegenwärtigen Stellenwert von zellbasierten Immuntherapien, wie der CAR-T-Zelltherapie? Michael von Bergwelt: Mit der CAR-T-Zelltherapie ist uns in den vergangenen 12 bis 15 Monaten wirklich ein sehr großer Schritt nach vorne gelungen. Wir haben sie für Patienten unter 26 Jahren mit akuter lymphatischer Leukämie und für Patienten mit…
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Woher kommt die Angst vor der Vorsorge? Eine Expertin klärt auf

30. März 2020
Im diesjährigen Darmkrebsmonat März – ausgerufen von der Felix Burda Stiftung, dem Netzwerk gegen Darmkrebs und der Stiftung Lebensblicke – soll augenzwinkernd mit dem Kunstwort Präventiophobie auf Vorbehalte gegenüber der Darmkrebsvorsorge aufmerksam gemacht werden. Im Interview beantwortet Professor Dr. Anja Mehnert-Theuerkauf – langjährige Unterstützerin des Netzwerk gegen Darmkrebs – Fragen zum psychologischen Mechanismus hinter der Präventiophobie.   Präventiophobie beschreibt die Angst, die vor der Darmkrebsvorsorge empfunden wird und offensichtlich größer ist als die Angst vor dem Krebs. Dass diesem Phänomen einige Menschen erliegen, bestätigen auch die 1,8 Prozent der Anspruchsberechtigten (über 55 Jahren), die im Jahr 2017 nur an einer Vorsorgekoloskopie teilnahmen (1).   Doch woher kommen diese Vorbehalte und wie lassen sich diese einfangen beziehungsweise gar beseitigen?   Dazu hat das Netzwerk gegen Darmkrebs Frau Professor Dr. Anja Mehnert-Theuerkauf befragt. Sie ist Leiterin der Abteilung für Medizinische Psychologie und…
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Es gibt kein zu jung! Neue Kooperation des Netzwerk gegen Darmkrebs mit der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs

21. Dezember 2018
Das Netzwerk gegen Darmkrebs e. V. und die Felix Burda Stiftung wollen künftig enger mit der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs zusammenarbeiten. In ihrem neuen Projekt „Es gibt kein zu jung“ setzt sich die Felix Burda Stiftung für frühzeitige Vorsorgeuntersuchungen und verbesserte Diagnostik bei jungen Menschen ein, insbesondere bei familiärem Darmkrebsrisiko. Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs ist im Juli 2014 von der DGHO Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologe e. V. gegründet worden. Die Onkologin Prof. Dr. med. Diana Lüftner, Oberärztin an der Charité Universitätsmedizin Berlin und ehemalige Vorstandsvorsitzende der DGHO, ist seit April dieses Jahres ehrenamtlicher Vorstand der bundesweit tätigen Stiftung. Netzwerk gegen Darmkrebs: Frau Prof. Dr. med. Lüftner, Sie sind eine erfolgreiche und engagierte Onkologin. Seit dem Frühjahr dieses Jahres stehen Sie der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs vor.  Warum…
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FARKOR – Ein bayerisches Modellprojekt – attraktiv für Patienten und Ärzte

04. September 2018
Darmkrebs, oder in der Fachsprache kolorektales Karzinom, ist sowohl bei Frauen als auch bei Männern die zweithäufigste bösartige Krebserkrankung und auch die zweithäufigste Krebstodesursache in Deutschland. Immer mehr jüngere Menschen erkranken an Darmkrebs. Im bayerischen Modellprojekt FARKOR, das vom Innovationsfonds gefördert wird, sollen Menschen mit einem familiär erhöhten Darmkrebsrisiko in Bayern bereits früh - im Alter von 25 bis 50 Jahren - identifiziert werden. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml hat im erwähnten Projekt die Rolle der Schirmherrschaft übernommen. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) ist für die Konsortialführung zuständig, womit organisatorische Aufgaben, wie das Projekt- und Finanzmanagement und die Koordination bei den Vertragsarbeiten, verbunden sind. Darüber hinaus ist die KVB ebenfalls für die Bereitstellung der erforderlichen Abrechnungs- und Servicestrukturen verantwortlich. Als Konsortialpartner sind, neben der Felix Burda Stiftung als Initiator des Projekts, die AOK Bayern, der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)…
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Interview: Dr. Georg Ralle über Symposium “Die Neuvermessung der Onkologie“

18. Juni 2018
Die Symposiumsreihe „Innovations in Oncology“ findet nun schon zum vierten Mal statt. Worum geht es bei der Veranstaltungsreihe und was ist das Ziel? Dr. Ralle: Die Idee der Symposiumsreihe ist, Forscher, Ärzte und Gesundheitspolitiker aus der onkologischen Wissenschaft und Forschung an einen Tisch zu holen. Wir wollten eine Plattform schaffen, um über die neusten Erkenntnisse zu Prävention, Früherkennung und Diagnostik des kolorektalen Karzinoms zu berichten. Darüber hinaus sollte auch der interdisziplinäre Austausch gestärkt und der wissenschaftliche Fortschritt gefördert werden. Das diesjährige Symposium ist eine Fortführung der Reihe und richtet den Blick vor allem auf die Versorgungslandschaft und auf die Frage, wie die neuesten Forschungsergebnisse schneller im klinischen Alltag und damit beim Patienten ankommen. Bisher fanden die Symposien immer im Deutschen Krebsforschungszentrum DKFZ in Heidelberg statt. Was hat Sie dazu bewogen die Veranstaltung nach Berlin zu verlegen? Dr. Ralle: Heidelberg ist…
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News from ASCO, Chicago: Prävention und Gesundheitsförderung in den USA: Überraschender Anstieg von Darmkrebs-Neuerkrankungen bei unter 50-jährigen Patienten

15. Juni 2018
Interview mit Frau Prof. Dr. Cornelia Ulrich, Senior Director für Population Sciences, Krebsforschungszentrum Salt Lake City, USA, geführt von Herrn Dr. Georg Ralle, München Netzwerk gegen Darmkrebs: Seit 2015 gibt es in Deutschland endlich ein Präventionsgesetz, in dem Maßnahmen zur Vorbeugung von Krankheiten, allgemeine Gesundheitsförderung und Früherkennung von Krankheiten benannt sind. Bis auf wenige Modellprojekte spüren die Bürger allerdings wenig von diesem neuen Gesetz, da nicht einmal notwendige Impfungen (wie z.B. gegen Masern) im Gesetz verbindlich verankert sind. Gibt es ein ähnliches Gesetz in den USA, bzw. welche staatlichen Rahmenbedingungen sind aus Ihrer Sicht für die Prävention besonders wichtig? Prof. Ulrich: Auch in den USA sind Prävention und Strategien zur Implementierung in die Bevölkerung ein wichtiges Diskussionsthema in der Regierung. Ein Meilenstein setzte das in 2010 unterzeichnete und in Kraft gesetzte Gesetz der Patient Protection and Affordable Care Act (ACA),…
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Aktuelle DKFZ-Studie belegt einmal mehr: Der allergrößte Teil der Darmkrebserkrankungen und Sterbefälle könnte durch konsequente Vorsorge vermieden werden.

23. Februar 2017
Interview mit Prof. Dr. Hermann Brenner, Leiter der Abteilung Klinische Epidemiologie & Alternsforschung Deutsches Krebsforschungsinstitut DKFZ, Heidelberg Netzwerk gegen Darmkrebs: Herr Prof. Brenner, Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die Deutschen nach wie vor „Präventionsmuffel“ sind? Der Termin für die TÜV-Untersuchung des Autos wird eingehalten, aber der Gang zur Vorsorgeuntersuchung scheint für viele Menschen ein hohes Hindernis zu bedeuten. Prof. Hermann Brenner: Noch immer haben wir in Deutschland, zumindest für die Darmkrebs-Vorsorge, kein organisiertes Programm, das als Kern-Element gezielte Einladungen mit qualifizierter Information beinhaltet. Diese zentrale Forderung des Nationalen Krebsplans wartet immer noch auf Umsetzung. Unsere europäischen Nachbarländer haben gezeigt, wie mit solchen Programmen eine sehr viel höhere Teilnahme an wirksamen Vorsorge-Untersuchungen erreicht werden kann. NgD: Unter den verschiedenen Vorsorgeuntersuchungen sticht die Koloskopie positiv heraus. Nach aktuellen Zahlen des DKFZ konnten bei insgesamt 4 Millionen Koloskopien 180.000 Fälle von…
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„Aktionen zur betrieblichen Darmkrebsvorsorge kann wirklich jedes Unternehmen durchführen!“

10. Februar 2017
Das Netzwerk gegen Darmkrebs e.V., die Stiftung LebensBlicke und die Felix Burda Stiftung rühren derzeit mit einem neu aufgelegten Handlungsleitfaden verstärkt die Werbetrommel für die betriebliche Darmkrebsvorsorge. Dr. Stefan Webendörfer, Vice President Diagnostics - Health Promotion – Communication in der Abteilung Occupational Medicine & Health Protection der BASF SE in Ludwigshafen, erläutert den Nutzen derartiger Maßnahmen. Herr Dr. Webendörfer, wieso sollte die Darmkrebsvorsorge auch Sache von Unternehmen sein? Webendörfer: Das betriebliche Umfeld ist generell ein idealer Ort für die Umsetzung von Präventivmaßnahmen. Wir treffen dort Menschen zwischen 16 und 66 Jahren an, die – zumindest wenn sie keine gesundheitlichen Beschwerden haben – meist nicht regelmäßig ärztlich betreut werden. Die Jüngeren haben ihre Jugendschutzuntersuchungen hinter sich, die Älteren wissen über die ihnen zustehenden Vorsorgemaßnahmen oft nicht ausreichend Bescheid oder können sich nicht zur Teilnahme entschließen. Bei den oft gesetzlich vorgeschriebenen betriebsärztlichen…
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Bluttest statt Stuhltest? Endlich ein Silberstreifen am Horizont – Stationen auf dem steinigen Weg zur Darmkrebsfrüherkennung mittels Blutprobe durch den Hausarzt

20. Dezember 2016
Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin, Universitätsklinikum Ulm, im Gespräch mit dem Netzwerk gegen Darmkrebs e.V. zu den Themen Prävention, Vorsorgemuffel und neuen Testverfahren zur Früherkennung von Krebs. Netzwerk gegen Darmkrebs: Nach jahrelangen Beratungen ist 2015 endlich ein Präventionsgesetz beschlossen worden, das in den Bereichen Vorbeugung gegen Krankheiten (Prävention), Gesundheitsförderung und Früherkennung von Krankheiten zahlreiche Maßnahmen beinhaltet. Trotzdem ist es bis heute nicht gelungen, sinnvollen Präventionsmaßnahmen wie z.B. der bundesweiten, verpflichtenden Impfung gegen Masern, zum Durchbruch zu verhelfen – wie lässt sich das erklären? Prof. Thomas Seufferlein: Ich denke, Prävention ist als Konzept noch immer nicht ausreichend der Bevölkerung vermittelt worden. Bei verpflichtenden Maßnahmen gibt es zudem von vielen Seiten Widerstände und beim Thema Impfung in Deutschland –leider immer noch und anders als im europäischen Ausland - hohen Diskussionsbedarf. NgD:  Den größten Erfolg in Sachen Prävention verdanken…
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