Zur Vision Zero: Den Krebs bekämpfen – Lehren aus Covid-19

Die Krebs Pandemie bekämpfen – Lehren aus Covid-19

Der Krebstod ist nicht neu, er ist nicht ansteckend und er ist nicht jahreszeitlich bedingt. Wir haben uns leider seit langem an ihn gewöhnt. Aber bei genauerem Nachdenken erkennt man zwei wesentlichen Verbindungen zur jetzigen Pandemie.

 

Zum einen sind die Risikogruppen für beide Erkrankungen sehr ähnlich. Menschen in den goldenen Jahren, insbesondere mit Risikofaktoren wie Adipositas, Lungen- und Herzkreislauferkrankungen. Auch ein deutlich geringerer, aber trauriger Anteil junger Menschen, wahrscheinlich mit genetischen und anderen Prädispositionen, wird viel zu früh aus dem Leben gerissen.

 

Zum anderen ist das Ausmaß der potentiell vermeidbaren Todesfälle aus beiden Erkrankungen vergleichbar. Selbst in den am Schlimmsten betroffenen Ländern sind vermeidbare Krebstodesfälle wahrscheinlich auch im Jahr 2020 noch häufiger als die Pandemieopfer des Virus.

 

Welche Lehren sollten wir aus dem Kampf gegen Covid-19 für den Kampf gegen die Krebserkrankung ziehen?

 

Auch wenn es im Augenblick noch verfrüht wäre eine endgültige Bilanz zu ziehen, stechen zwei Merkmale besonders hervor.

 

Too Little too Late: die Pandemie (und es war noch nicht einmal das schlimmste denkbare Virus, mit dem wir es zu tun haben) hat uns klar vor Augen geführt: Gute Vorbeugung ist manchmal teuer, meistens preiswert, aber im richtigen Moment immer unbezahlbar.

Menschen hier mitten in Europa, und noch deutlich mehr anderswo auf der Welt mussten fehlende Vorbereitung und mangelhafte Umsetzung, die meist weder teuer noch besonders belastend gewesen wäre, mit dem Leben bezahlen.

Daten heilen: Wir müssen davon ausgehen, dass unsere Unfähigkeit, schnell zu durchschauen wer wann und wo erkrankt ist, oder welche Medikamente besonders empfänglich, oder besonders resistent machen, auch in Deutschland zahlreiche Menschen das Leben gekostet hat. Hier müssen wir ansetzen: wir brauchen eine Patientenzentrierte Verarbeitung unserer Gesundheitsdaten, denn diese können einen entscheidenden Beitrag zum Schutz des Einzelnen leisten.

 

Diese beiden Aussagen treffen auch auf die Vorbeugung vermeidbarer Krebstodesfälle zu. Wir verlieren jedes Jahr mehr als 20.000 Menschen an den Darmkrebs, der zu guten Teilen zu verhindern wäre, wenn wir nur die bestehenden Möglichkeiten dazu ausschöpfen würden. Und der in Deutschland weiterhin mit riesigem finanziellen Aufwand beworbene Zigarettenkonsum ist nach wie vor Todesursache Nummer eins.

 

Warum? Prävention die dies verhindert ist nicht Teil eines fest definierten Aufgabenspektrums in unserem Gesundheitswesen. Prävention hat im organisatorischen Sinn keinen Eigentümer, keine Institution, die sie verantwortet  und bundesweit mit klaren Konzepten handlungsfähig ist.

 

Wir sollten es uns also zur Aufgabe machen, diesen unbefriedigenden Zustand nachhaltig zu ändern, mit einer „Vision Zero“ im Blick, deren Ziel es sein muss, jeden vermeidbaren Todesfall durch rechtzeitige Prävention und Früherkennung zu verhindern.

 

Die Erfahrung aus der Corona Pandemie gegen Krebs umzusetzen bedeutet daher eine konsequente Anwendung des schmerzhaft Erlernten:

 

 

  • Die Umsetzung von Prävention und Frühdiagnostik muss tatsächlich und verantwortlich organisiert und mit Ressourcen ausgestattet sein (Beispiele Darmkrebseinladungsverfahren, HPV Impfung).

Nur Verhindern oder früh Behandeln ist wirklich wirksam

 

  • Wir brauchen ein Werbeverbot und eine Präventionsabgabe für Tabakprodukte.

Rote Karte für Tabakwerbung: Auch bei Krebsauslösern gilt das Verursacherprinzip

 

  • Der Bürger hat das Recht auf eine Demokratisierung neuer Behandlungsverfahren. Wir brauchen wir einen einheitlichen, schnellen Zugang zu moderner Präzisionsdiagnostik und innovativen Therapiekonzepten. 

Die besten Therapien müssen überall im Land erreichbar sein

 

  • transparente, effektive und patientenzentrierte Verarbeitung von Gesundheitsdaten generiert medizinisches Wissen aus der  Versorgung.

Datenschutz ist Patientenschutz.  Nicht ausgewertete Daten sind lebensgefährlich.

 

  • Die Erforschung und Behebung der Nebenwirkungen und Kollateralschäden aus den Pandemiebeschränkungen ist dringend.

Die Quarantäne darf nicht zu Lasten der Krebsprävention und -Therapie gehen.

 

  • Jeder vermeidbare Krebstod ist Zuviel. Dies zu verhindern ist nicht einfach, und bedeutet viele kleine Schritte in die gleiche Richtung zu gehen.

Vision Zero heißt jeden Stein umzudrehen.

 

Kongressleitung Vision Zero:

Dr. Georg Ralle, München